Die Futtermittelbeschaffung wird für Schweizer Landwirtschaftsbetriebe und Futtermittelunternehmen zunehmend anspruchsvoller. Schwankende Ernten, Trockenheit, hohe Produktionskosten, unsichere Warenströme und begrenzte verfügbare Mengen treffen gleichzeitig auf einen Markt, der stark vom Ausland abhängig ist. Gerade für die Schweiz ist diese Entwicklung besonders relevant, denn ein erheblicher Teil der benötigten Futtermittel und Rohstoffe stammt aus dem europäischen Ausland oder wird über internationale Lieferketten beschafft. Verschlechtert sich die Versorgungslage in Deutschland, Frankreich, Österreich oder Osteuropa, kann dies deshalb sehr schnell auch auf dem Schweizer Markt spürbar werden.
2026 zeigt sich besonders deutlich, dass bei der Futtermittelbeschaffung nicht mehr nur der Preis entscheidend ist. Immer häufiger stellt sich zuerst die Frage: Ist die benötigte Ware überhaupt in ausreichender Menge und zum gewünschten Zeitpunkt verfügbar? Für viele Käufer verschiebt sich der Fokus deshalb zunehmend von einem reinen Preisvergleich hin zu Verfügbarkeit, Lieferzeit, Herkunft, Transportkapazität und Planungssicherheit.
Die Versorgungslage wird angespannter
Die europäischen Agrarmärkte stehen derzeit unter erheblichem Druck. Trockenheit und hohe Temperaturen haben in mehreren Regionen die Erwartungen an verschiedene Ernten reduziert. Besonders beim Mais sind die Aussichten in Teilen Europas deutlich schwächer geworden. Gleichzeitig führen schwächere Grünlanderträge dazu, dass regional mehr ergänzende Futtermittel benötigt werden. Damit steigt die Nachfrage genau in einer Phase, in der das Angebot bestimmter Rohstoffe bereits begrenzt ist. Für den Markt entsteht dadurch eine schwierige Kombination aus weniger verfügbarer Ware, höherer Nachfrage und stärkeren Preisschwankungen.
Diese Situation betrifft nicht nur einzelne Futtermittel. Wenn ein wichtiger Rohstoff knapp wird, weichen Käufer auf Alternativen aus. Dadurch steigt wiederum die Nachfrage nach anderen Produkten. Eine schwache Maisernte kann beispielsweise nicht nur den Maismarkt selbst beeinflussen, sondern auch andere Energie- und Proteinträger sowie Nebenprodukte der Lebensmittel- und Bioenergieindustrie. Knappheit kann sich dadurch von einem Marktsegment auf das nächste übertragen.
Die Schweiz ist besonders abhängig von funktionierenden Importen
Für Schweizer Käufer kommt ein weiterer Faktor hinzu: die vergleichsweise starke Importabhängigkeit. Die Schweiz kann ihren Bedarf an verschiedenen Futtermitteln nicht vollständig aus eigener Produktion decken. Landwirtschaftsbetriebe, Mischfutterhersteller und Händler sind deshalb darauf angewiesen, dass Ware aus dem Ausland verfügbar ist und wirtschaftlich in die Schweiz transportiert werden kann. Wenn Produzenten weniger Ware anbieten, können grössere Binnenmärkte teilweise im Vorteil sein, weil Käufer näher an der Ware sitzen und keine zusätzliche grenzüberschreitende Logistik benötigen.
Für Schweizer Unternehmen bedeutet dies, dass verfügbare Mengen teilweise früher gesichert werden müssen. Besonders bei grösseren Mengen wird eine kurzfristige Beschaffung schwieriger. Ein Produzent kann beispielsweise noch kleinere Mengen anbieten, aber keine ausreichende Menge für mehrere LKW. Andere Anbieter verfügen zwar über Ware, können jedoch erst deutlich später liefern. Damit wird die Futtermittelbeschaffung zunehmend zu einer Frage der Planung und nicht nur des Preises.
Aus einem Preisproblem wird zunehmend ein Verfügbarkeitsproblem
In den vergangenen Jahren stand bei vielen Betrieben vor allem die Preisentwicklung im Vordergrund. 2026 wird jedoch immer deutlicher, dass nicht nur hohe Preise problematisch sein können. Ein niedriger Preis hilft wenig, wenn die gewünschte Menge nicht verfügbar ist oder nicht rechtzeitig geliefert werden kann. Wetterextreme verschärfen diese Situation zusätzlich. Eine längere Trockenperiode in einem wichtigen Produktionsgebiet kann innerhalb kurzer Zeit zu geringeren Ertragserwartungen führen. Marktteilnehmer reagieren darauf bereits vor der eigentlichen Ernte, indem Händler Mengen sichern, Produzenten bei Angeboten vorsichtiger werden und Käufer versuchen, ihren Bedarf früher abzudecken.
Für Schweizer Käufer ist dies besonders relevant, weil sie häufig mit Käufern aus mehreren europäischen Ländern um dieselben Mengen konkurrieren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Logistik. Selbst wenn ein Produzent Ware verfügbar hat, muss diese noch in die Schweiz gelangen. Verfügbarkeit von Fahrzeugen, Entfernung zum Produktionsstandort, Dieselpreise, saisonale Transportauslastung und Liefertermine können dabei ebenso entscheidend sein wie der eigentliche Produktpreis. Der reine Preis am Produktionsstandort sagt daher nur bedingt aus, ob eine Ware für einen Schweizer Betrieb tatsächlich wirtschaftlich verfügbar ist.
Auch Zuckerrübenschnitzel Pellets und DDGS geraten stärker in den Fokus
Wenn klassische Futtermittel schwieriger verfügbar oder teurer werden, steigt automatisch das Interesse an anderen Rohstoffen. Genau deshalb geraten auch Nebenprodukte wie Zuckerrübenschnitzel Pellets (SBPP) oder DDGS beziehungsweise getrocknete Maisschlempe stärker in den Fokus. Beide Produkte sind seit vielen Jahren bekannte Futtermittel, gewinnen in einer angespannten Beschaffungssituation jedoch zusätzlich an Bedeutung, weil Käufer ihre Rohstoffbasis verbreitern möchten.
Bei Zuckerrübenschnitzel Pellets beziehungsweise SBPP kommt hinzu, dass die Produktion eng mit der Zuckerrübenkampagne verbunden ist. Zwischen zwei Kampagnen wird der Markt weitgehend aus vorhandenen Lagerbeständen versorgt. Werden diese schneller verkauft als erwartet oder steigt die Nachfrage aus mehreren Ländern gleichzeitig, können die verfügbaren Mengen deutlich sinken. Bei DDGS beziehungsweise Maisschlempe hängt die verfügbare Menge wiederum von der Produktion und Auslastung der Ethanolhersteller ab. Auch hier kann das Angebot nicht beliebig ausgeweitet werden, nur weil die Nachfrage nach Futtermitteln steigt.
Für Käufer bedeutet dies vor allem: Die Tatsache, dass ein Produkt grundsätzlich am Markt existiert, bedeutet nicht automatisch, dass grössere Mengen jederzeit kurzfristig verfügbar sind.
Kurzfristige Beschaffung wird riskanter
In einem angespannten Markt funktioniert eine rein kurzfristige Einkaufsstrategie zunehmend schlechter. Wer erst dann mit der Suche beginnt, wenn der eigene Vorrat nahezu aufgebraucht ist, besitzt weniger Auswahl. Möglicherweise ist dann nur noch Ware aus weiter entfernten Regionen verfügbar, Liefertermine verzögern sich oder höhere Preise müssen akzeptiert werden. Gerade für Betriebe mit einem konstanten Verbrauch kann es deshalb sinnvoll sein, den Bedarf für die kommenden Monate zumindest grob vorauszuplanen.
Dabei geht es nicht darum, sämtliche Mengen sofort zu kaufen. Wichtiger ist, frühzeitig zu wissen, welche Mengen benötigt werden und welche Bezugsquellen grundsätzlich zur Verfügung stehen. Auch mehrere Lieferquellen werden wichtiger. Fällt ein Produzent aus oder verkauft seine verfügbaren Mengen frühzeitig an andere Kunden, sollte eine Alternative vorhanden sein. Unterschiedliche europäische Ursprungsregionen im Blick zu behalten, kann deshalb einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.
Futtermittelbeschaffung wird strategischer
Die derzeitige Situation bedeutet nicht, dass Landwirtschaftsbetriebe jede verfügbare Tonne sofort sichern sollten. Sie zeigt jedoch, dass eine rein kurzfristige Beschaffung zunehmend riskant wird. Wer seinen Bedarf früh kennt, besitzt mehr Möglichkeiten, verschiedene Ursprünge zu vergleichen, Liefertermine zu planen und Angebote rechtzeitig zu prüfen.
Für Schweizer Landwirtschaftsbetriebe und Futtermittelunternehmen sollte deshalb nicht mehr nur die Frage im Vordergrund stehen: Wo bekomme ich heute das günstigste Futtermittel? Mindestens genauso wichtig ist: Woher bekomme ich meine benötigte Menge auch in den kommenden Monaten zuverlässig?
Agro-Trade beschäftigt sich mit der Beschaffung von Futtermitteln für den Schweizer Markt und arbeitet dafür mit verschiedenen europäischen Lieferanten und Produzenten zusammen. Im Bereich Zuckerrübenschnitzel Pellets beziehungsweise SBPP sowie künftig auch bei DDGS und getrockneter Maisschlempe steht deshalb neben dem Preis insbesondere die tatsächliche Verfügbarkeit im Vordergrund.
Die Futtermittelbeschaffung 2026 zeigt, wie schnell sich die Rahmenbedingungen verändern können. Schwache Ernten, Trockenheit, hohe Produktionskosten, steigende Nachfrage und begrenzte Lagerbestände treffen auf internationale Lieferketten, die auch für Schweizer Landwirtschaftsbetriebe entscheidend sind. Damit wird aus einem reinen Preisvergleich zunehmend eine Frage der Versorgungssicherheit.
Besonders für die Schweiz gilt: Wer erst bei akutem Bedarf nach Ware sucht, besitzt in einem angespannten Markt weniger Möglichkeiten. Eine frühzeitige Planung, verschiedene Lieferquellen und alternative Futtermittel gewinnen deshalb an Bedeutung. Zuckerrübenschnitzel Pellets, SBPP und DDGS beziehungsweise getrocknete Maisschlempe können dabei wichtige Bausteine einer breiter abgestützten Futtermittelbeschaffung sein.
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